Lea Gerstenkorn (hinten) absolviert einen Bundesfreiwilligendienst an der Schule Oberstadion. Schulleiter Tobias Tress und die Schülerinnen Mia (von links), Sarah, Isabella und Christina freuen sich über ihre kreativen Ideen. (Foto: Ehrenfeld)

24. Juni 2020

Selina Ehrenfeld

Redakteurin

Sie unterstützt die Lehrer bei Büroarbeiten, hilft im Unterricht mit und gibt Hilfestellungen beim Lernen. Lea Gerstenkorn absolviert derzeit einen Bundesfreiwilligendienst an der Christoph-von-Schmid-Schule in Oberstadion und fühlt sich dort sichtlich wohl. Die 17-Jährige unterstützt wo immer sie kann und bringt sich mit vielen Ideen ein. Schulleiter Tobias Tress ist froh über die tatkräftige Unterstützung und hofft, dass die Stelle eines Bufdi nach der Premiere mit Lea weiterlaufen kann.

Nach ihrem Realschulabschluss konnte sich die 17-Jährige noch nicht für einen Beruf entscheiden. „Ich wusste, ich wollte etwas Soziales machen. Der Bundesfreiwilligendienst sollte ein Puffer für mich sein, um herauszufinden, was mir gefällt“, erzählt sie. Da sie selbst schon auf der Grundschule Oberstadion als Schülerin war und ihre Mutter dort als Jugendbegleiterin arbeitet, wandte sie sich mit dem Wunsch an Tobias Tress, einen BFD an der Schule abzuleisten. Dort stieß Lea sofort auf offene Arme, denn der Schulleiter selbst hatte schon länger darüber nachgedacht, so eine Stelle in Oberstadion zu etablieren.

 „Ich habe das schon an anderen Schulen gesehen und dachte mir, dass so etwas ja auch ideal in unser Ganztagskonzept passt“, erklärt Tress. Von Bürgermeister Kevin Wiest erhielt er sofort die nötige Unterstützung, denn schließlich muss so ein Angebot auch finanziert werden. „Wir bieten einem jungen Menschen damit die Möglichkeit, sich zu orientieren und helfen bei der Entscheidung für die Berufswahl“, so der Bürgermeister. Auch von Leas Eltern erhielten Wiest und Schulleiter Tress bereits positive Rückmeldungen. „Der BFD machte sie selbstständiger und erwachsener, das haben die Eltern schnell gemerkt“, sagt Wiest.

„Sie macht das ganz toll.“ (Tobias Tress)

Leas Aufgaben sind vielfältig. Auch AGs, die sie Anfang des Schuljahres selbst ins Leben gerufen hatte, leitet die 17-Jährige selbstständig. „Es ist toll, wie sie sich auf diese AGs vorbereitet, sie macht das ganz toll“, sagt Tobias Tress. Auch den Kindern gefällt die Abwechslung zum gewohnten Schulalltag durch die AGs. Isabella aus der dritten Klasse gefallen vor allem die Spiele und Rätsel. Sie ist sowohl in der Tier-AG als auch in der zum Thema Umwelt. Von letzterer AG kann sie auch immer stolz ein paar Ideen für einen umweltfreundlichen Alltag nachhause bringen. „Manche Menschen schmeißen Plastik ins Meer. Aber das ist nicht gut“, erinnert sich Christina, ebenfalls aus der dritten Klasse, an ein Thema aus der AG.

Da der Klimaschutz eine Herzensangelegenheit für Lea selbst ist, wollte sie auch eine AG dazu machen. „Ich versuche diese Themen rund um den Klimawandel kindgerecht zu erklären. Das ist wichtig, schließlich ist es unsere Zukunft“, sagt die 17-Jährige. Für die AG denkt sie sich Aufgaben für die Kinder aus, wie etwa folgende: „Die Schüler sollten mit ihrer Mama einkaufen gehen und darauf achten, wie viel im Supermarkt in Plastik verpackt ist.“ Zwar sind es nur vier Kinder, die sich für die AG angemeldet haben, „aber die sind mit vollem Elan dabei“, betont Lea.

Traumberuf Kindergärtnerin

Die Kinder sind ihr schnell ans Herz gewachsen und eine Entscheidung darüber, was sie später einmal für einen Beruf ausüben möchte, hat sie ebenfalls schnell nach Beginn des BFD treffen können. „Ich will als Kindergärtnerin arbeiten und habe auch schon einen Praktikumsplatz“, erzählt sie. Das Jahr in der Schule Oberstadion wird Lea deshalb wohl noch lange in Erinnerung behalten – und das nicht nur aufgrund ihrer Erfahrungen, die sie dort sammeln durfte. Denn der Beginn der Corona-Pandemie Anfang des Jahres hat auch in ihrem Plan einiges durcheinander gebracht.

„Ich war gerade auf einem Seminar bei München, die ich während meiner Bundesfreiwilligendienstes besuchen darf, als die Meldung über die Schließung der Schulen kam“, erinnert sich die 17-Jährige. Lange Zeit habe sie damals noch gedacht, dass das alles doch gar nicht so schlimm werde. „Aber das hat mich dann schon zum Nachdenken gebracht. Als ich an diesem Tag zum Münchner Hauptbahnhof gegangen bin und heimfahren wollte, dachte ich sogar daran, ob ich mich nicht lieber selbst in Quarantäne begebe.“ Sofort habe sie dann mit dem Schulleiter abgeklärt, wie es weitergehen soll.

Corona kam geballt

„Am letzten Schultag im März vor der Schließung waren die Lehrer ziemlich im Stress und mussten noch viel vorbereiten für die Schüler.“, erinnert sich Lea an den Montag vor dem Lockdown. „Ich war eigentlich positiv eingestellt und dachte, dass die Schließung nur zwei Wochen lang geht. Doch es kam dann doch etwas heftiger als erwartet.“ In den Wochen ohne Schüler habe die 17-Jährige aber trotzdem bei den ein oder anderen Arbeiten mithelfen können. Froh war sie trotzdem, als die ersten Schüler im Mai wieder kommen durften und sie ihre AGs wieder starten konnten.

Schulleiter Tobias Tress betont, dass es vor allem in dieser außergewöhnlichen Zeit wichtig sei, eine Unterstützung wie Lea zu haben. Und das werde auch im nächsten Jahr, wenn nicht sogar noch dringender, der Fall sein. Deshalb hoffen Tress und Bürgermeister Kevin Wiest, dass sich auch für das nächste Jahr wieder eine junge Schülerin oder ein junger Schüler findet, der einen Bundesfreiwilligendienst dort ableisten möchte.

„Wir vom Verband tragen das weiter“, betont Wiest und hebt hervor, dass vor allem eine kleine Schule wie in Oberstadion viele Vorteile für einen Jugendlichen biete, einen guten Einblick in den Schulalltag zu bekommen. Das bestätigt auch Tobias Tress: „Man wird hier mehr eingebunden als an großen Schulen und erlebt alles mit.“ Gerade in den Lerngruppen brauche es die Unterstützung nach den Sommerferien mehr denn je. Und Interessierte werden mit offenen Armen begrüßt. Das kann auch Lea Gerstenkorn bestätigen, die die letzten Wochen in der Schule nun noch in vollen Zügen genießen will.

Wer sich für einen Bundesfreiwilligendienst an der Christoph-von-Schmid-Schule interessiert, kann eine Bewerbung an die Schule (Eicher 4, 89613 Oberstadion) zu Händen des Schulleiters Tobias Tress schicken.