Kinderbildungszentren als großes Ziel

Unterricht Baden-Württembergs Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann besucht die Christoph-von-Schmid-Schule in Oberstadion. Im Gespräch mit Bürgermeistern und Lehrern geht es um die Sorgen und Nöte der Schulen im ländlichen Raum. Von Maria Bloching

Für Bürgermeister Kevin Wiest ist sie eine „Vorzeigeschule“ im ländlichen   Raum, für Schulleiter Tobias Tress ein gutes Beispiel dafür, wie Bildung mit einem flexiblen Betreuungs- und zielorientierten Lernkonzept qualitativ hochwertig gelingen kann: Am Donnerstag besuchte die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann die Christoph-von-Schmid-Schule in Ober-stadion. Sie habe „immer Interesse daran, Schulstandorte im ländlichen Raum anzuschauen und mit den Lehrern ins Gespräch zu kommen“, sagte die CDU-Politikerin und designierte Spitzen-kandidatin für die Landtagswahl 2021. Wie in Oberstadion unterrichtet und gelebt wird, gefiel ihr: „Meinen Glückwunsch, Sie leisten hier tolle Arbeit“, lautete ihr Resümee im Anschluss an den Rundgang durchs Schulgebäude und ans Gespräch mit den Lehrerinnen und Lehrern. Die Visionen von Schulleiter und Bürgermeister, in dem großen Gebäude auch den kirchlich getragenen Kindergarten unterzubringen und die bereits bisher gut funktionierende und flexibel gestaltete Ganztagsbetreuung weiter auszubauen, begrüßte die Ministerin: „Machen Sie das.“

Förderung vom Land in Aussicht Denn Eisenmann schweben Kinderbildungszentren vor, in denen vom Kleinkind über das Kindergartenkind bis zum Grundschüler verschiedene Altersgruppen in „Campus-Form“ aufeinander-treffen: „Der Druck auf die Kinderbetreuung wächst. Durch den

Wegfall von Werkrealschulen und Hauptschulen haben viele Schulen auf dem Land Räume frei. Arbeiten Sie das aus, denn dafür sind Mittel im Landeshaushalt als Anschub und Unterstützung von Teilinvestitionen vorgesehen.“ Für die flexible Kinderbetreuung seien jährlich 12 Millionen Euro im Landeshaushalt eingestellt, nun liege es an den Kommunen, diese Möglichkeiten zu nutzen. „Es ist wichtig für unsere Gemeinde, hier mittelfristig eine Ganztagsbetreuung für den Kindergarten anzubieten. Das ist in den Räumlichkeiten des kirchlichen Kindergartens nicht möglich

„Manche neuen Lehrer arbeiten lieber gar nicht als auf dem Land.“

erklärte Wiest. Er könne sich gut vorstellen, dass Kinder in Oberstadion über neun Jahre am selben Ort betreut werden von der Krippe bis zum Ende der Grundschulzeit. „Eltern wünschen sich Flexibilität, sie wollen Qualität und Verlässlichkeit“, diese Erfahrung hat Eisenmann gemacht. Allerdings fehlt es insbesondere im ländlichen Raum an Lehrern. Ob von den 1000 neu geschaffenen Lehrerstellen im Land eine Verbesserung zu erwarten ist, konnte Eisenmann nicht versprechen. Zwar kämen zum Schuljahr 2020/2021 wieder mehr ausgebildete Lehrer auf den Arbeitsmarkt, und man sei diesbezüglich deutlich besser aufgestellt, als in den vergangenen Jahren – doch „manche neuen Lehrer arbeiten lieber gar nicht als auf dem Land“.

Dies zeige sich am deutlichsten am Beispiel Tübingen und Reutlingen: „In Tübingen könnte ich jede Stelle x-fach besetzen, im 15 Kilometer entfernten Reutlingen habe ich keine einzige Bewerbung. Das ist rätselhaft und kann nur mittels Versetzungsketten gelöst werden.“ Soll heißen: Ältere Lehrer werden versetzt, junge Lehrer an die von ihnen gewünschte Schule geschickt.

Eine „Buschzulage“ für die Besetzung einer Lehrerstelle auf dem Land lehnte die Ministerin ab: „Das wäre das falsche Signal.“ Der Mangel an männlichen Lehrern an Grundschulen liegt für Eisenmann eher an der geringen öffentlichen Wertschätzung des Lehrerberufs – weniger daran, dass Grundschullehrer trotz ho-hem Zeit- und Arbeitsaufwand deutlich weniger verdienen als Realschul- oder Gymnasiallehrer. Dass Schule im ländlichen Raum sehr reizvoll sein kann, bestätigte Katrin Spiegel aus Neu-Ulm, die gleich nach ihrem Referendariat nur ungern nach Ober-stadion kam, heute aber nicht mehr weg will: „Es ist so schön familiär“. „Wir nehmen jeden“ Karl Hauler, Bürgermeister aus Rottenacker, sprach die Arbeits-losigkeit von Lehrern zwischen den Schuljahren an. Laut Kultus-ministerin eine „Dauergeschichte“, die sie aus der Welt schaffen wolle. Denn von den rund 120 000 Lehrern in Baden-Württemberg befänden sich 98 Prozent im Beamtenverhältnis, die übrigen zwei Prozent seien aushelfende Pensionäre oder Lehrer, die über kein abgeschlossenes Studium verfügten: „Wir nehmen jeden, den wir kriegen können, doch hier vergeben wir nur befristete Verträge.“ Und die 4000 bis 5000 Referendare im Land könnten bereits im Januar ihren Vertrag für September unterschreiben. Allerdings ende ihre Ausbildung im Juli, so dass bis zum Beginn der neuen Stelle sechs Wochen lägen. „Das ist in anderen Bereichen genauso“, verteidigte Eisenmann.

Quelle: SWP Ehingen