Foto: Tobias Tress

Die Grundschule Oberstadion setzt seit einigen Monaten intensiv auf multimediale
Unterrichtsinhalte. Das hilft ihr in der kommenden Zeit.

Von Amrei Oellermann

Ein digitaler Unterricht ist mit Grundschülern nicht möglich? Doch, sagt Tobias Tress, Schulleiter der Christoph-von-Schmid-Schule in Oberstadion. Gemeinsam mit seinem Kollegium setzt er seit einigen Wochen konsequent auf eine Digitalisierung der Unterrichtsinhalte für die Klassenstufen eins bis vier. Er sagt: „Ich habe keine Angst vor einer Phase des Unterrichts zu Hause, denn wir sind super aufgestellt.“ Bereits jetzt verfüge zum Beispiel jede Klasse über eine eigene, digitale Pinnwand über die Plattform „Padlet“. Auf den speziell für die Bedürfnisse von Schulen konzipierten Seiten finden Eltern und Schüler alle wichtigen Informationen für den Unterrichtsalltag in Zeiten der Pandemie. Jeder Lehrer betreut für seine Klasse eine eigene Pinnwand; hier sind etwa Elternbriefe, Termine und Merkblätter hinterlegt, aber auch Arbeitsaufgaben, kindgerechte Nachrichten, Lernvideos,  Hörgeschichten und vieles mehr. Manche der Inhalte sind aus dem Netz zusammengetragen – für die Erstklässler ist derzeit in der Rubrik (Vor-)Lesen etwa das Video von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann eingestellt, der die bekannte Geschichte vom Grüffelo auf Schwäbisch erzählt. Andere Inhalte dagegen haben die Oberstadioner Lehrer gezielt für ihre Schüler erstellt. „Wir haben Lernvideos für jedes Fach und jeden Tag“, erzählt Tress. Vieles wird spielerisch vermittelt; im Zusammenhang mit dem Thema „Im Verkehr unterwegs“ im Sachunterricht  dürfen sich die Schüler etwa die Schulweg- Hitparade von Rolf Zuckowski anhören und als Ersatz für den Sportunterricht dienen kindgerechte Übungen für daheim, vermittelt durch die Profis von Alba Berlin. Begeistert ist Tress auch von der Idee einer Kollegin, die für ihre Klasse eine  Adventsgeschichte selbst einlas und gestaltete – mit eingescannten Bildern zum Anschauen und Text-Häppchen für jeden Tag zum Anhören.

Mit „Anton“ vollmotiviert

Die Klassen-Seiten über Padlet sind aber nur ein Baustein, auf den die Schule setzt. Der zweite heißt „Anton“ und ist eine Lern- App für Smartphone, Tablet und Computer. Mit ihr können die Schüler alle wichtigen Themen passend zum Lehrplan wiederholen. Dank mehr als 100 000 Aufgaben und über 200 verschiedenen Übungstypen kommt dabei keine Langeweile auf. „Die Kinder sind total motiviert, das zu machen“, weiß Tress aus eigener Erfahrung: Seine Tochter, die die erste Klasse besucht, wolle derzeit nach den Hausaufgaben immer noch ein bisschen mit der Anton-App  spielen“. Das Gute dabei: Der Lehrer behält die Kontrolle. Er kann seiner Klasse Aufgaben zuweisen und freischalten, eigene Inhalte erstellen und stets den Lernfortschritt eines jeden  Schülers verfolgen. Seit diesem Schuljahr hat die Grundschule Oberstadion App und Padlet in Betrieb. Da beide digitalen Lernmedien bereits im regulären Unterricht zum Einsatz kamen, sind die Kinder mit dem Umgang vertraut. „Sie sind fit in diesen Themen“, weiß Tress. Er begrüßt den Corona-bedingt verstärkten Fokus auf digitales Arbeiten deshalb auch aus einem zweiten Grund – und ist sehr froh, dass der Grundschulverband ihn dabei unterstützt: „Die Kinder nutzen digitale Medien in ihrem Alltag, ob wir sie für die Schule einsetzen oder nicht“, sagt er. Es ist ihm daher wichtig, seinen Schülern eine sinnvolle Bediennutzung zu vermitteln. Auch die neuen Smartboards, die die Schule seit einigen Wochen hat, haben sich bewährt: Nicht nur am bundesweiten Vorlesetag, als Bürgermeister Kevin Wiest über die digitale Tafel virtuell ins Klassenzimmer kam, sondern auch in der ganz alltäglichen Praxis. So erzählt Tress

von einer Kollegin, die zuletzt nicht für Präsenzunterricht zur Verfügung stand, sich aber gut fühlte – und ihre Klasse deshalb kurzerhand drei Tage lang aus ihrem Arbeitszimmer zu Hause unterrichtete. Dank Video- und Tonübertragung „hat sie ihre Schüler im Klassenzimmer gesehen und diese sie“, erklärt Tress. Das habe super funktioniert: „Die Kinder sind nicht einfach nur betreut gewesen, sie hatten einen wirklich genialen Unterricht in diesen Tagen.“ Und: Sie seien angesichts der besonderen Situation ebenso fasziniert wie mucksmäuschenstill gewesen. „Wir hätten eigentlich gar keine  Aufsicht im Klassenzimmer mehr gebraucht“, sagt Tress. Auch die zehn Convertibles, eine Mischung aus Tablet und Laptop, die die Schule über das Sofortprogramm Endgeräte des Bundes beschafft hat, sind im ständigen Einsatz. Derzeit arbeiteten immer zwei Schüler gemeinsam an einem Gerät, bereits jetzt sei aber klar, dass weitere der sogenannten „Terras“ bestellt werden, sagt Tress. Sie können im Falle einer Phase des Heimunterrichts auch von Schülern mit nach Hause genommen werden, denen in ihrer Familie kein eigenes Gerät zum Lernen zur Verfügung steht.